Zur Geschichte der Gaststätte "Zum Deutschen Haus" 

Im Jahre 1869 zieht der Rechner der Gemeinde Neuenhaßlau Branntweinsteuer für die Gaststätte „Zum Deutschen Haus“ ein. Außerdem existiert aus diesem Jahr ebenfalls eine Rechnung über verabfolgten Schnaps an eine Löschmannschaft nach einem Scheunenbrand. Dies sind die ersten existierenden Belege, die Auskunft über das Deutsche Haus geben. Allerdings bestand die Gaststätte wahrscheinlich schon zuvor, doch leider gibt es hierfür bis jetzt keine Belege. 

 

 

 

Postkarte von 1916

 

 

Das Erscheinungsbild der Gaststätte hat sich im Laufe der vielen Jahre deutlich verändert. Das alte Haus stand zunächst an der Stelle, wo sich heute der Saal befindet. Ob hier auch die Gastwirtschaft betrieben wurde ist unbekannt. Das heutige Gebäude wurde wahrscheinlich schon vor 1850 errichtet. Bei dem Bau des Hauses musste der Grundriss eine Aussparung erfahren, die sich neben der heutigen Küche befand. In diesem ausgesparten Raum ist früher ein Born (Brunnen) gewesen, der Hirtenborn hieß. In ihn setzte die Gemeinde, der er gehörte, schon um 1870 eine Pumpe ein. Am Born tranken die Schulkinder, die auf dem Hirtenplatz ihre Pausen verbrachten. Neben der Gastwirtschaft wurde schon immer auch Landwirtschaft betrieben. Im Gebäude gab es außerdem einen Lebensmittelladen, der bis in die 1950er Jahre existierte. Zeitweise gab es auch eine Metzgerei und es wurden Backwaren im Deutschen Haus verkauft.

 

Für das dörfliche Leben von Neuenhaßlau war die Gaststätte seit jeher von großer Bedeutung. Hier traf man sich, um gemeinsam Kerb zu feiern, am Stammtisch über dörfliche oder politische Ereignisse zu diskutieren oder zu zahlreichen Veranstaltungen das Tanzbein zu schwingen. Schon immer nutzen auch viele Vereine das Deutsche Haus als Treffpunkt für ihre Tätigkeiten. Wie viele ländliche Gasthöfe hatte auch das Deutsche Haus eine Kegelbahn, die zum dörflichen Sonntagsvergnügen genutzt wurde, ehe Turnen und Fußball die Menschen auf die Sportplätze zog. Um die Zeit des 1. Weltkrieges trafen sich beispielsweise der Radfahrverein „Einigkeit“, sowie der Turnverein, der Gesangsverein und der Literaturverein in der Gaststätte.

 

1928 wurde der heutige große Saal errichtet. Ein separater Eingang zum Saal befand sich zunächst in der Altgasse. Dieser musste allerdings in den 50er Jahren weichen,da der Saal nun als Kino genutzt wurde. In der damaligen Zeit wurde der Saal vielfältig vor allem von den unterschiedlichen Vereinen genutzt: Die Kinder der Turngemeinde turnten dort an Barren und Pferd, der Literaturverein führte hier unzählige Theatervorstellungen durch, die Sängervereinigung gab Konzerte und bunte Abende und der Spielmannszug probte regelmäßig und lautstark. Auch verschiedenste politische Veranstaltungen wurden hier durchgeführt. Über das ganze Jahr verteilt fanden außerdem weitere Veranstaltungen im Saal statt. Man feierte ausgelassen Fasching und Kerb oder traf sich zum Oster- und Weihnachtstanz. Der Lumpenball der Feuerwehr war über die Grenzen von Neuenhaßlau hinaus bekannt und beliebt. 

 

 

Kerb im Jahre 1928

 

Konzession aus dem Jahre 1904

 

Herzstück des Deutschen Hauses ist jedoch seit jeher die Gastwirtschaft, die sich schon immer in Familienbesitz befindet. Aus dem Jahre 1904 stammt ein Erlaubnisschein, der dem Metzger Heinrich Betz die Fortführung der Gastwirtschaft erteilt. Bereits zuvor waren allerdings schon Männer der Familie Betz als Wirte tätig. Im Jahre 1935 übernahm der Sohn Johann Heinrich Betz mit seiner Ehefrau Auguste den Betrieb. Nach seinem frühen Tod im Jahre 1957 betrieb die Witwe Gustl die Gaststätte alleine weiter bis ihr Schwiegersohn Hartwin Weiser mit seiner Ehefrau Emmi geb. Betz im Jahr 1973 das Deutsche Haus übernahm. Er führte die Geschäfte bis in die 90er Jahre und übergab dieGaststätte im Jahre 1996 an den heutigen Besitzer und Schwiegersohn Karlheinz Müller-Weiser.

 

Die Gaststätte existiert nun seit über 150 Jahren und passte sich in dieser Zeit immer dem Wandel der Gesellschaft an. Während früher das Speisen weniger im Vordergrund stand, zeigt sich das Deutsche Haus heute als Speisegaststätte mit traditioneller Küche. Im Saal werden heute hauptsächlich Familienfeierlichkeiten ausgerichtet. Immer noch ist die Gaststätte jedoch Treffpunkt für zahlreiche Vereine und Stammtische. Auch die Tradition des Biertrinkens und Kerbfeierns wird weiter im Deutschen Haus gepflegt. 

Zur Geschichte des Bieres ist interessant zu erwähnen, dass schon vor dem 1.Weltkrieg, nämlich seit 1904 Baba-Bier aus Aschaffenburg ausgeschenkt wurde und zwar den Zeitsitten gemäß nur ausschließlich. Die Verbindung zur Brauerei hielt sehr lange, im Jahr 1954 gratulierte man zum 50-jährigen Jubiläum. Die Brauerei gibt es heute leider nicht mehr, doch Bier gibt es im Deutschen Haus trotzdem weiterhin. Heute sind auch mehrere Biersorten im Ausschank. 

 

 

 

 

 

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